Aktuelles Programm "Host mi, Hipster!"

 

“Ein Leben ohne E-Gitarre ist möglich, aber definitiv sinnlos”, das meint zumindest Bewie Bauer. Egal ob beim Zahnarzt mit Metzgermeisterzertifikat oder im Streichelzoo mit Hasenkostüm, die Rockgitarre begleitet Bewie Bauer in allen Lebenslagen. Aber am wohlsten fühlt er sich mit ihr auf den Kleinkunstbühnen in ganz Deutschland. Hier zeigt der Wahl-Münchner mit oberbayerischem Migrationshintergrund, dass er nicht nur musikalisch, sondern manchmal auch nachdenklich, aber am Ende vor allem urkomisch ist.

Seit über 6 Jahren begeistert Bewie Bauer zusammen mit Christoph Stelzner als “Stelzner & Bauer” in deren sächsisch-bayerischer Satireshow nicht nur Kritiker, sondern vor allem Besucher und Fans. Jetzt ist Bewie Bauer auch solo am Start getreu dem Motto: Lassen Sie mich durch! Ich bin Gitarrist! Derzeit schreibt er an seinem ersten Programm mit dem Titel "Host mi Hipster"

 

 

Wieso der Name "Bewie"?

Bauers eigentlicher Vorname “Martin” ist nicht auf seinen Geburtstag (11.11. ist Martinstag), sondern auf den Vornamen seiner Großmutter “Martina” zurückzuführen. Es ist nur ein Gerücht, dass seinen Eltern beim sechsten Sohn die Ideen für die Vornamen ausgingen. Irgendwann stellt Bauer aber fest, dass der Name “Martin Bauer” alles andere als Suchmaschinenoptimierbar ist und handelt. Aus “B wie Bauer” wird schnell “Bewie Bauer”.

Davor fürchtet sich die Deutsche Bahn

Auch wenn Bauer keine eigenen Kinder hat, der Bauer-Clan wächst weiter. Bauer ist mittlerweile 17-facher Onkel. Eine kleine Feier im engsten Kreis der Familie wird dann schnell zu einer organisatorischen Meisterleistung. Die Deutsche Bahn zittert bis heute vor dem Tag, wenn das Bauer-Oberhaupt ein Familienticket bucht. Ein Börsenerdbeben wäre zu erwarten. Das ist übrigens der wahre Grund, warum die Bahn bis heute nicht an die Börse gegangen ist.

Und ewig lockt die Gitarre!

Fast alle Geschwister musizieren fleißig vor sich hin, so dass es kaum möglich ist durch das Hause Bauer zu gehen, ohne über eine Gitarre, Schlagzeug, Kontrabass oder Klavier zu stolpern. Als eines Tages der kleine Bauer wieder mal sich fast die Beine bricht, als er über die brüderliche Klampfe strauchelt, merkt er sehr schnell. “Mensch, die Dinger sehen ja nicht nur gut aus, da kommen ja auch Töne raus.” Und so bekommt er ab dem 8ten Lebensjahr Klavierunterricht mit sehr mäßigem Erfolg. Mit 13 Jahren kommt dann noch E-Gitarre dazu. Das klappte schon besser. Warum? Vermutlich war die Möglichkeit, damit bei Frauen Eindruck zu hinterlassen die größte Motivation.

Mut zum Scheitern

Bauer zeigt einen enormen Ehrgeiz bei allen Dingen, die ihn interessieren. Die Schule gehört dazu allerdings nicht. Wenn heute jemand über die Sinnhaftigkeit des bayerischen Gymnasialsystems philosophiert, ob nun G8 oder G9 besser sei, kann Bauer nur müde lächeln: Er genießt in den 90ern das bis heute wenig verbreitete G11-Modell. Die 7te und 9te Klasse gibts bei ihm im Doppelpack. Nebeneffekt: Bauer lernt das Scheitern. Gepaart mit einem gehörigen Maß an Selbstüberschätzung sind das die beiden besten Voraussetzungen, um sich später auf die Bühne zu trauen.

Der Ton macht die Musik!

Anfang der 90iger Jahre geschieht das zum ersten Mal mit seiner Erdinger Pop-Band Gsus4. 1994 geht die Band ins Tonstudio. Herauskommt eine Maxi-CD. Die Band löst sich auf. Eins jedoch bleibt: Die Begeisterung für Tontechnik. Folge: Ausbildung zum Audio Engineer im Jahr 1996/1997 in München.

Radio an!

Und noch eine Begeisterung entsteht: “Radiohören”. Im Kinder- und Jugendzimmer der 80er Jahre gibt es noch keinen Fernseher, dafür funken schon die ersten Privatradios. Und die aus München erreichen auch die Kleinstadt Erding. Insbesondere Comedysendungen begeistern Bauer: “Langemann und die Morgencrew” mit Bully Herbig und Rick Kavanian auf Gong 96,3 ist Pflichtprogramm. Und wenn der Sender mal nicht reingeht, dann wird bei “Erwin Pelzig” und “Karl Auer” bei Bayern 3 lauter gedreht.

Radio Kinderzimmer

Überhaupt: Das Spiel mit dem Wort gefällt Bauer. Er versucht damit schon als Kind andere zu begeistern. Schon in der zweiten Klasse steht in seinem Zeugnis “Bauer unterhält seine Mitschüler mit kleinen Späßchen”. Da wird dann der Kassettenrecorder im Kinderzimmer zum Radiostudio umfunktioniert und mit den Spielkameraden die große “Samstagabendshow” am Dienstagnachmittag “gesendet”.

Im Osten geht die Sonne auf!

Doch zurück in die 90iger: Tontechnik und Radiomachen – das war Bauers Wunsch. Und es scheint so, dass er diesen Wunsch in Sachsen verwirklichen kann. Dort gibt es an der Hochschule Mittweida den neuen Studiengang Medientechnik, der beides verbindet. Bauer zieht im Sommer 1997 recht unbekümmert nach Sachsen, in den Osten. Dieser Osten ist zu dieser Zeit noch deutlich geprägt von 40 Jahren Kommunismus. Viele in seinem Bekanntenkreis sind verwundert, über Bauers Schritt aus dem Speckgürtel Münchens in eine trostlose, zerfallene Kleinstadt mitten in Sachsen zu gehen. Bauer genießt aber diesen Schritt. Endlich mal weg von zu Hause. Und günstig wars im sächsischen Mittweida obendrein: “Auf des Steuerzahlers Kosten, studieren wir billig hier im Osten!”

Sächsisch-Bayerisches Gipfeltreffen!

Gleichzeitig lernt Bauer 1997 den aus Chemnitz stammenden Kommiliton Christoph Stelzner kennen. Sie sitzen in derselben Seminargruppe. Schnell wird klar: Auch, wenn sie aus vollkommen unterschiedlichen Kulturkreisen stammen. Sie teilen beide die Begeisterung für Unfug, Wortwitz und schräge Gedanken – und das Radiostudio an der Hochschule Mittweida ist der ideale Spielplatz dafür.

Radioprofi?

Fast 4 Jahre lang ist Bauer beim Studentensender Radio Mittweida aktiv: Er moderiert und produziert mit Stelzner Mini-Comedy-Serien. Aber während der Zeit will er auch lernen, wie es die Profis machen. Diverse Praktika führen in 1999 zu Radio Bayern 3, wo er den Comedian Markus Walsch kennenlernt. Walsch produziert damals mehrere Comedyformate für Bayern 3 (Sanatorium Waldkatzenberg, Keksi und Bussi, Karl Auer). Bis heute ist Walsch einer der wichtigsten Mentoren in Bauers beruflichem Werdegang. Kein Scherz: Markus Walsch ist übrigens auch Bauers Zweitprüfer bei seiner Diplomarbeit zum Dipl. Ing. Medientechnik (FH).

Ein Glücksfall!

Die ernsteren Seiten des Radiomachens lernt Bauer ab 2001 beim erfolgreichsten Privatsender Deutschlands “Antenne Bayern” kennen. Im Rahmen eines journalistischen Volontariats ist er dort als Nachrichtenredakteur und als Reporter im Einsatz und nahezu täglich auf Sendung. Danach: 11. September, New Economyblase platzt, Rezession, Werbeeinnahmen gehen zurück. Bauer wird nach 2 Jahre nicht übernommen. Ein Glücksfall für Bauer.

Ab auf die Insel!

Auch Stelzner hat 2003 gerade eine “Wartephase” in seinem Leben. Stelzner und Bauer bewerben sich deshalb unabhängig voneinander für ein 3 monatiges Stipendium der europäischen Union in Mittelengland in der Kleinstadt Loughborough. Beide werden genommen. Beide landen als Praktikanten beim Lokalradiosender OAK FM. In der Zeit wird beiden klar: Egal, ob sächsisch oder bayerisch: In England versteht uns keiner! Das vereint!

Ein Leben in Erding

Trotzdem: Danach trennen sich erstmal wieder die Wege von Stelzner & Bauer. Bauer beginnt 2004 bei Radio Bayern 3 als freier Producer und Autor zu arbeiten. Zunächst wird er nur im Zwei-Wochen-Rhythmus gebucht. Bauer entschließt sich die “freie” Zeit in ein Aufbaustudium zu investieren, wieder im sächsischen Mittweida. Im Rahmen des kommunikationswissenschaftlichen Studiums setzt er sich intensiv mit einer neuen Form des Radiomachens auseinander: Podcasting – ohne die Deutungshoheit der etablierten Sender, ohne das Fallbeil eines Chefredakteurs konnte jetzt jeder anfangen zu senden. Und Bauer tut das auch. Im  Rahmen seiner Masterarbeit produziert er 2006 den Comedy-Podcast “Ein Leben in Erding” – ein humoristischer wöchentlicher Rückblick auf Geschehnisse in der oberbayerischen Kleinstadt Erding, in die er wieder zurückgezogen ist. “Ein Leben in Erding” schlägt hohe Wellen. So hohe Wellen, dass er 2007 mit dem Deutschen Podcast Award in der Kategorie Unterhaltung ausgezeichnet wird. Die Sache hat leider einen Haken: Man kann damit keinen Pfennig verdienen.

Organspende

2007 gibt es in Bauers Leben ein weiteres sprichwörtliches einschneidendes Erlebnis. Sein Bruder Franz, der seit seinem 20ten Lebensjahr an einem chronischen Nierenversagen leidet, braucht eine neue Niere. Im Großfamilienkreis wird diskutiert. Alle 5 Geschwister erklären sich bereit den Schritt zu gehen. Letztendlich entscheidet die Einschätzung der Ärzte, wer als Spender am Besten geeignet ist. Bei Bauer wurde festgestellt, dass seine Niere perfekt zu Franz passen würde. Die Ärzte sprechen von einem perfekten Match, wie sie ihn sonst nur bei Zwillingen kennen. Im September 2007 ist der Transplantationstermin. Alles läuft perfekt. Bis heute arbeitet die Niere optimal. Spender und Empfänger sind wohlauf. Und Bauer spart sich ab sofort ein Haufen Geld: Ihm reicht fürs Motorradfahren ein halber Nierengurt.

Talk in der Taverne

Zwischen 2006 und 2010 ist Bauer auch vermehrt als Comedyautor bei Bayern 3 aktiv. Es entstehen Serien wie “Bayern für Anfänger” und “Wiki-Peter” (insgesamt weit über 200 Folgen). Aber nach gefühlten 10 Jahren Arbeit im Radio stellt sich Bauer die Frage, ob man nicht zusätzlich auch was Neues probieren sollte, außerhalb der etablierten Medien, außerhalb eines Systems in dem das Produkt dem Vorgesetzten gefallen muss. Stelzner bewegen ähnliche Gedanken. Beide beschließen ein neues Audioformat zu entwickeln, dass vor allem von der Improvisation lebt. Es wird eine Talkshowsatire im Podcast-Format: “Talk in der Taverne”. Abwechselnd schlüpfen Stelzner & Bauer in die Rolle verschiedener skurriler Studiogäste. Zudem spielen Stelzner & Bauer die eitlen Moderatoren “Wolfram Brechtel” und “Gisbert Knock” selbst. Nach ca. einem Jahr und 15 einstündigen Sendungen entsteht die Idee “Talk in der Taverne” auf die Kleinkunstbühne zu bringen und das obwohl beide so gut wie keine Erfahrung als Schauspieler auf der Bühne haben. Ähnlich, wie bei ihren Figuren trifft in diesem Moment manchmal Selbstüberschätzung auf Scheitern. Nicht jeder Auftritt kommt beim Publikum an. Einige Auftritte müssen mangels Nachfrage abgesagt werden. Aber wenn ein Auftritt funktioniert, dann wissen beide: “Das ist geil! Das wollen wir machen”. Es wird trainiert, umgeschrieben, es werden Comedian-Kollegen befragt und es wird gespielt, gespielt, gespielt.

Die Sächsisch-Bayerische Satireshow

2015 entsteht das zweite Programm. Diesmal entscheiden sich die beiden ihre angeborenen Eigenschaften in den Mittelpunkt zu stellen. Stelzner ist Sachse – Bauer ist Bayer – es entsteht die Sächsisch-Bayerische Satireshow. Sie bauen zusätzlich zu Videoclips noch viel Musik ein. Stelzner spielt Keyboard und Cajon und Bauer kann endlich wieder seine E-Gitarre aus den 90igern auspacken. Eine gute Idee: Sprunghaft steigen die Zuschauerzahlen. Die Kritiken fallen extrem positiv aus. Die jahrelange Arbeit hat sich gelohnt. Im März 2017 stehen Stelzner & Bauer zum 100ten mal gemeinsam auf der Bühne. Sprachlich verständigen können sie sich jedoch bis heute nicht.

Host Mi, Hipster!

2017 entschließt sich Bauer dazu auch mal alleine auf die Bühne zu gehen. Sein erstes Programm mit dem Titel “Host mi, Hipster!” hat im Februar 2019 Premiere im Münchner Schlachthof

Aktuelles Programm "Host mi, Hipster!"

 

“Ein Leben ohne E-Gitarre ist möglich, aber definitiv sinnlos”, das meint zumindest Bewie Bauer. Egal ob beim Zahnarzt mit Metzgermeisterzertifikat oder im Streichelzoo mit Hasenkostüm, die Rockgitarre begleitet Bewie Bauer in allen Lebenslagen. Aber am wohlsten fühlt er sich mit ihr auf den Kleinkunstbühnen in ganz Deutschland. Hier zeigt der Wahl-Münchner mit oberbayerischem Migrationshintergrund, dass er nicht nur musikalisch, sondern manchmal auch nachdenklich, aber am Ende vor allem urkomisch ist.

Seit über 6 Jahren begeistert Bewie Bauer zusammen mit Christoph Stelzner als “Stelzner & Bauer” in deren sächsisch-bayerischer Satireshow nicht nur Kritiker, sondern vor allem Besucher und Fans. Jetzt ist Bewie Bauer auch solo am Start getreu dem Motto: Lassen Sie mich durch! Ich bin Gitarrist! Derzeit schreibt er an seinem ersten Programm mit dem Titel "Host mi Hipster"

 

 

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